Erich Schmidt

Erich Schmidt (1853–1913) – Literaturhistoriker, Kleist-Forscher und leidenschaftlicher Büchersammler

Erich Schmidt gehörte zu den prägenden Germanisten seiner Zeit. Er erforschte die Werke Goethes, Lessings und Heinrich von Kleists, erschloss historische Quellen und sammelte seltene Bücher. Sein Lebensweg verbindet die Entwicklung der Literaturwissenschaft mit einer ausgeprägten Liebe zu den Originalzeugnissen der Dichtung.

Am 20. Juni 1853 in Jena als Sohn des Zoologen Oskar Schmidt geboren, besuchte er unter anderem die traditionsreiche Schule Schulpforta. Anschließend studierte er in Graz, Jena und Straßburg. Dort begegnete er Wilhelm Scherer, der sein Interesse entscheidend auf die deutsche Literaturgeschichte lenkte. Nach der Promotion 1874 und der Habilitation 1875 führte ihn seine akademische Laufbahn über Würzburg und Straßburg nach Wien.

1885 übernahm Schmidt die Leitung des neu gegründeten Goethe-Archivs in Weimar. Hier gelang ihm einer seiner bekanntesten Funde: Er entdeckte eine von Louise von Göchhausen angefertigte Abschrift einer frühen Fassung von Goethes „Faust“. Ihre Veröffentlichung 1887 machte den sogenannten „Urfaust“ zugänglich und eröffnete neue Einblicke in die Entstehung des Dramas.

Im selben Jahr wurde Schmidt als Nachfolger Scherers an die Berliner Universität berufen. Als erster Direktor des Germanistischen Seminars wirkte er am Ausbau seines Faches mit; 1909/10 stand er der Universität als Rektor vor. Seit 1895 gehörte er der Preußischen Akademie der Wissenschaften an. Von 1906 bis zu seinem Tod war er außerdem Präsident der Goethe-Gesellschaft.

Neben seiner großen Lessing-Biografie und der Mitarbeit an der Weimarer Goethe-Ausgabe galt Heinrich von Kleist sein besonderes Interesse. Gemeinsam mit Georg Minde-Pouet und Reinhold Steig veröffentlichte er 1904/05 eine fünfbändige Kleist-Ausgabe. Die sorgfältige Beschäftigung mit frühen Drucken, Briefen und unterschiedlichen Textfassungen bildete eine wesentliche Grundlage seiner Arbeit.

Schmidts Bibliothek umfasste rund 10.000 Bände, darunter zahlreiche Erstausgaben und Widmungsexemplare. Sein Exlibris mit Goethes Gartenhaus und einer Goethe-Büste veranschaulicht seine Verbundenheit mit der klassischen deutschen Literatur.

Exlibris Sammlung Erich Schmidt

Nach seinem Tod im April 1913 erwarb der Berliner Verleger Rudolf Mosse die Sammlung und machte sie öffentlich zugänglich. Im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung der Familie Mosse wurde die Bibliothek später zerstreut.

In der Sammlung Alexander Schippan begegnet uns Erich Schmidts Name auf besondere Weise wieder: Besitzvermerke verbinden ihn mit der Erstausgabe der „Familie Schroffenstein“ und dem „Phöbus“-Jahrgang von 1808. Auch der Umschlag des Drucks „Germania an ihre Kinder“ trägt seinen Namen; Diese Spuren verbinden Kleists historische Drucke mit einem Gelehrten, der wesentlich zu ihrer wissenschaftlichen Erschließung beitrug.

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