Penthesilea

Erstdruck 1808 aus der Sammlung Ralph Schippan
Liebe erscheint bei Kleist als Kampf, Sprache als Verwundung. „Penthesilea“ führt die Begegnung der Amazonenkönigin mit Achill bis an die Grenze des Sagbaren. Der Erstdruck von 1808 gehört zu den bedeutendsten selbständigen Buchveröffentlichungen Heinrich von Kleists.
Ausgabe: Erstdruck / erste selbständige Ausgabe
Titel: Penthesilea. Ein Trauerspiel
Verlag: Tübingen, Cottaische Buchhandlung
Druck:Dresden, Gärtner, 1808
Umfang: 1 Blatt, 176 Seiten, 1 Blatt
Besonderheit: Authentischer Besitzvermerk Albert von Sachsen-Teschen
Kleist ließ das Trauerspiel zunächst auf eigene Kosten in Dresden drucken. Als die Herstellungskosten seine Möglichkeiten überstiegen, übernahm Johann Friedrich Cotta die Ausgabe. Die Verlagsausgabe erhielt ein neues Titelblatt und ein abschließendes Korrekturblatt. Das vorliegende Exemplar ist in einen roten Ganzledereinband mit goldgeprägten Fileten, Rückenschild und Mäanderornamenten gebunden.
Das Werk
Vor Troja begegnen sich Penthesilea und Achill als Gegner und Liebende. Nach dem Gesetz des Amazonenstaates darf Penthesilea den Mann nur wählen, wenn sie ihn zuvor im Kampf besiegt hat. Persönliches Begehren und gesellschaftliche Ordnung geraten dadurch in einen unauflöslichen Konflikt. Zeichen und Absichten verkehren sich; der vermeintliche Liebesbeweis wird zur Herausforderung, Zärtlichkeit schlägt in Vernichtung um.
Das Drama ist nicht in Akte, sondern in vierundzwanzig Auftritte gegliedert. Rasche Sprecherwechsel, Satzabbrüche und geteilte Verszeilen machen bereits im Druckbild sichtbar, wie Kleists Sprache selbst zum Schauplatz des Kampfes wird. Die Nähe von „Küssen“ und „Bissen“ verdichtet das tragische Zentrum des Werkes.
Das Sammlungsexemplar
Das Exemplar trägt einen als authentisch zugrunde gelegten Besitzvermerk Alberts von Sachsen-Teschen (1738–1822), des Begründers jener Graphiksammlung, aus der die heutige Albertina hervorging. Diese Provenienz verbindet ein Hauptwerk der deutschen Literatur mit einer herausragenden fürstlichen Sammlungspersönlichkeit der Zeit um 1800.
Die Langfassung dokumentiert Druckgeschichte, Einband, Erhaltung, Provenienz, literarische Deutung und Bühnenrezeption sowie neun Fotografien des Exemplars.
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