Autor
Ralph Schippan 
Ralph Schippan studierte Elektrotechnik und war viele Jahre als Patentanwalt und Unternehmer tätig. Nach seiner beruflichen Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit Kunstgeschichte, der spanischen Kulturgeschichte sowie mit historischen und bibliophilen Büchern.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Beschäftigung mit historischen Quellen, Provenienzen und der Geschichte des gedruckten Buches. Die Verbindung von wissenschaftlicher Recherche, Kunst und Geschichte prägt auch seine literarische Arbeit.
Toledanische Nächte
In seinem Roman Toledanische Nächte – Das Vermächtnis des El Greco verbindet Ralph Schippan historische Recherche, Kunstgeschichte und Fiktion. Die Handlung führt von der Gegenwart zurück in das Toledo des späten 16. Jahrhunderts und in die Welt El Grecos.
Warum Toledo?
Toledo ist weit mehr als die Kulisse des Romans.
Kaum eine andere Stadt lässt Geschichte so unmittelbar gegenwärtig erscheinen. Enge Gassen, alte Mauern und verborgene Innenhöfe bilden ein Labyrinth, in dem sich die Spuren christlicher, jüdischer und islamischer Kultur überlagern. Hoch über dem Tajo scheint Toledo zugleich wirklich und geheimnisvoll zu sein.
Bei seinen Aufenthalten in der Stadt wurde Ralph Schippan immer deutlicher: Diese Geschichte konnte nur hier spielen.
Oscárs Suche führt ihn durch Bibliotheken und Archive, zur Kirche Santo Tomé, über die Brücke San Martín und an Orte, an denen Vergangenheit und Gegenwart unvermittelt aufeinandertreffen. Toledo ist dabei nicht nur Schauplatz. Die Stadt prägt die Atmosphäre des Romans.
Hier verbinden sich El Grecos Welt des Jahres 1588 und Oscárs Suche in der Gegenwart. Hinter vertrauten Ansichten öffnen sich neue Fragen: Welche Geschichten sind überliefert worden – und welche sollten für immer verborgen bleiben?
Woher kommt der Titel des Romans?
Die spanische Redewendung „pasar una noche toledana“ bezeichnet eine schlaflose, unruhige Nacht – eine Nacht, in der man keine Ruhe findet. Doch in Toledo scheint die Dunkelheit mehr zu verbergen als bloß Hitze und lästige Mücken.
Die genaue Herkunft der Redewendung ist bis heute nicht geklärt. Bereits 1611 erklärte der aus Toledo stammende Lexikograf Sebastián de Covarrubias die schlaflosen Nächte mit dem drückenden Klima und den Mücken der Stadt. Eine andere, wesentlich düsterere Überlieferung führt sie auf eine mittelalterliche Bluttat zurück: die sogenannte „Jornada del Foso“.
So verbindet sich in der Redewendung Alltägliches mit Unheimlichem – eine schlaflose Nacht mit einer Geschichte von Gewalt, Erinnerung und Verdrängung. Genau an diesem Punkt setzt der Roman an.
In „Toledanische Nächte“ wird die Nacht zum Sinnbild eines Geheimnisses, das seit Jahrhunderten im Dunkeln liegt. Ein bestimmtes Detail in El Grecos berühmtestem Werk soll seit mehr als 400 Jahren verschwiegen und dem historischen Gedächtnis entzogen worden sein. Mächtige Kreise wachen darüber, dass es verborgen bleibt – und schrecken vor nichts zurück, um seine Entdeckung zu verhindern.
Dann stößt der Protagonist Oscár auf eine rätselhafte Spur aus dem Jahr 1588. Was zunächst wie ein unscheinbares Fragment der Vergangenheit wirkt, führt ihn immer tiefer in ein Geflecht aus Täuschung und Vertuschung. Mit jeder neuen Spur gerät die jahrhundertelange Dunkelheit ins Wanken.
Der Titel „Toledanische Nächte“ verweist deshalb auf mehreren Ebenen auf die Handlung: auf die geheimnisvolle Atmosphäre der Stadt, auf schlaflose Nächte voller Gefahr – und auf eine Wahrheit, die über Jahrhunderte verdunkelt wurde und nun unaufhaltsam ans Licht drängt.
Buchkunst und Bibliophilie
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Beschäftigung mit dem Buch als Kunstobjekt. Bibliophile Erstausgaben aus der Sammlung Alexander Schippan sowie die Erforschung ihrer Provenienzen verbinden dabei Sammeln, kunsthistorische Recherche und die Geschichte des gedruckten Buches. Inspirationen daraus fließen in den Roman ein.
